Viehjud Levi

Spielfilm nach dem Theaterstück von Thomas Strittmatter, 35 mm 1:1,8, 95 min, D/CH/A 1998

UA: Forum Internationales Film - Berlinale 1999 (Caligari-Preis)



Besetzung und Stab

Darsteller
Bruno Cathomas, Caroline Ebner, Bernd Michael Lade, Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Eva Mattes, Gerhard Olschewski, Günter Knecht, Stefan Merki, Peter Luppa, Wolfgang Bachofner, Alexander May, Georg Blum
Regie
Didi Danquart
Drehbuch
Didi Danquart, Martina Döcker
nach einem Bühnenstück von Thomas Strittmatter
Kamera
Johann Feindt
Musik
Cornelius Schwehr
Ausstattung
Susanne Hopf
Schnitt
Katja Dringenberg
Kostüme
Inge Heer, Ingrid Weiß
Make Up
Wolfgang Böge, Regina Huyer
Ton
Paul Oberle
Produzent
Martin Hagemann für zero film

Horst Peter Koll, filmdienst, Nr. 20, 28.09.1999 auf Filmportal.de

Über Thomas Strittmatter, ein Gespräch mit Didid Danquart [pdf]

Inhalt

Deutschland, 1935. Wie jedes Jahr kommt der jüdische Viehhändler Levi in ein abgelegenes Tal im Schwarzwald, um mit den Bauern Geschäfte zu machen. Dieses Jahr hat er sich außerdem vorgenommen, um die Hand der Bauerntochter Lisbeth anzuhalten. Aber schon bei seiner Ankunft erkennt Levi, dass sich im Dorf einiges verändert hat.

Die Menschen begegnen ihm reservierter, in der Kneipe steht ein Hakenkreuzfähnchen auf dem Stammtisch und aus Berlin wurde der staatstreue Ingenieur Kohler ins Tal geschickt, um den Eisenbahntunnel wieder in Stand zu setzen. Einzig Lisbeth freut sich aufrichtig über Levis Besuch. Ihr Verehrer Paul, ein systemkritischer junger Bursche aus der Stadt, beobachtet eifersüchtig Levis Werben um die junge Frau. Als Paul den "braunen" Ingenieur Kohler öffentlich blamiert, richtet sich der Zorn des Nazis nicht gegen Paul, sondern gegen den "Viehjud" Levi.



weitere Filmkritiken

Berliner Zeitung: Didi Danquart weiß um die emotionale Sogkraft seiner Bilder und ist so bescheiden, dass er die sich permanent verengende Beklemmung immer wieder aufbricht. Nach jeder neuen Stufe des Schlimmer-Werdens kommt ein milderndes, ein erleichterndes Bild. Der Film schreitet mit lakonischer Leichtigkeit auf sein Ende zu, das er dann nicht einmal nötig hat zu zeigen. Für den Zuschauer bedeutet das: Er sieht mit zwei unterschiedlichen Augen. Mit einem mitfühlenden und mit einem analysierenden. Er kann sich auf keine der beiden Seiten retten.

taz - Die Tageszeitung: Danquart erzählt mehr über das Damals als viele Dokumentarfilme, aber auch genug über das Heute. Dafür hat er in seinem ersten Spielfilm fürs Kino berückend schöne Bilder des Schwarzwalds gefunden. Die Dialoge sind niemals geschwätzig und treffen punktgenau. Großes Erzählkino!

Frankfurter Rundschau: Die Sensibilität für Zwischentöne, für das Hell- und Dunkelbraun der Karriere-Nazis (herausragend: Ulrich Noethen), der Überzeugungstäter und der neu in der Wolfswolle Gefärbten, spricht ebenso für den Film wie der Versuch, Lisbeths Widerstand und Levis Flucht ins Ungewisse dem tödlichen Ausgang des Dramas entgegenzusetzen.

Die Welt: Mit Argumenten und Witz kämpft Levi vergeblich gegen die schwelende Progromstimmung an (...) Vielschichtig sind die Charaktere herausgearbeitet worden. Das gibt dem Ensemble um Ulrich Noethen, Bernd Michael Lade und Eva Mattes die Möglichkeit, den Film nachhaltig zu prägen.

Der Spiegel 1999-39: Ein wenig zu berechnet und berechenbar wirkt das herb-strenge Heimatdrama (Vorlage war ein Theaterstück Thomas Strittmatters), und selbst die herausragende Darstellertruppe kann das Reißbrett, das durch die Leinwand schimmert, nicht vergessen machen.

film-dienst 1999-20: Hervorragend gespielte und inszenierte Adaption des Theaterstücks von Thomas Strittmatter, die subtil und intensiv herausarbeitet, wie sich unter dem äußeren Druck der Ereignisse moralische und menschliche Werte relativieren.

Cinema 1999-09: Gut gemeinte, aber etwas biedere Bühnenstück-Adaption von Didi Danquart über ein Schwarzwald-Dorf anno 1935, in dem das soziale Gefüge durch einige Hitler-Anhänger ins Wanken gerät.

Filmecho / Filmwoche: Getragen von einer prominenten Besetzung gelingt Danquart eine präzise und unaufdringliche Milieustudie fern von aufdringlichen Klischees und Schwarzweissmalerei.

EPD Film: "Viehjud Levi" ist ein Lehrstück im positiven Sinne, das sich jeder simplen Anklage entzieht und dessen Stärke Differenzierung und Analyse sind.

Rhein-Zeitung 1999-09-29: Ein Theaterstück von Thomas Strittmatter lieferte die Vorlage. Geschichte über Antisemitismus - von erschreckender Aktualität.

Blickpunkt Film: Ein Lehrstück, packend und blutvoll inszeniert, getragen von einem wunderbaren Darsteller-Ensemble.

TV Today 1999-20: Subtile, stille, aber sehr spannende Studie über die Mechanismen politischer Propaganda.

Hamburger Abendblatt: "Viehjud Levi" avancierte schnell zu einem der Geheimtips der Berlinale.

zitiert nach Dirk Jaspers Filmlexikon